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Info-Beitrag

Wann sich Kreislaufwirtschaft rechnet: Der „CE Business Case Calculator“

Wer Produkte repariert, aufarbeitet oder wiederverwendet, senkt Material- und Beschaffungskosten, macht sich unabhängiger von volatilen Rohstoffmärkten und erfüllt regulatorische Anforderungen.

Auf einen Blick

Themenkategorie
Ressourcen sparen
Bundesland
Bundesweit
  • Circular Economy

Beschreibung

Zirkuläre und lineare Geschäftsmodelle unterscheiden sich in ihrer Kostenstruktur in vielen Bereichen. Je nach Strategie müssen bspw. gebrauchte Produkte erst zurückgeholt (sog. Reverse Logistics) und sortiert, zerlegt, aufgearbeitet, wieder zusammengebaut und geprüft werden. CBMs weichen außerdem vom klassischen Schema aus Einkauf, Produktion und Verkauf ab, da die Verdienstmöglichkeiten häufig im Bereich des serviceorientierten After-Sales liegen. Bisherige Berechnungstools für CBMs bilden diese Komplexität nicht vergleichbar ab und konzentrieren sich oft nur auf qualitative Faktoren wie Nachhaltigkeit.

Der CE Business Case Calculator folgt deshalb einer Materialflusslogik. Kosten und Erlöse werden entlang der einzelnen Prozessschritte abgebildet, vom Rücklauf des Altprodukts bis zur Fertigstellung des Auftrags (Abbildung 1). Sieben R-Strategien lassen sich modellieren: Reuse, Repair, Refurbish, Remanufacture, Repurpose, Recycling und Rethink (am Beispiel Vermietung). Je nach Strategie und Konfiguration passt das Tool Dateneingabe und Berechnungslogik automatisch an.

Aus Nutzendenperspektive werden drei Schritte durchlaufen: In der Konfiguration (1) beschreibt das Unternehmen seinen geplanten Business Case über einen kurzen Fragebogen. Die Dateneingabe (2) ermöglicht es, Kostenfaktoren detailliert und für mehrere Szenarien gleichzeitig zu erfassen und auch dynamische Faktoren, wie Preisentwicklung zu berücksichtigen. Gleichzeitig wird der Aufwand durch die Konfiguration auf ein Minimum reduziert. Die Ergebnisdarstellung (3) liefert konkrete betriebswirtschaftliche Kennzahlen und bereitet die Resultate übersichtlich und transparent als Diagramme auf, um Kostentreiben und Optimierungspotenziale leichter zu erkennen. Umgesetzt ist der Calculator als Excel-Anwendung. Sensible Unternehmensdaten bleiben damit im Unternehmen.

Hintergrund

Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft sind für Unternehmen längst mehr als ein Nachhaltigkeitsthema. Wer Produkte repariert, aufarbeitet oder wiederverwendet, senkt Material- und Beschaffungskosten, macht sich unabhängiger von volatilen Rohstoffmärkten und erfüllt regulatorische Anforderungen frühzeitig. Deshalb dominieren zunehmend die Schlagwörter Resilienz, Innovationspotenzial und Wettbewerbsfähigkeit. 

Dabei kommt Kreislaufwirtschaft mit einem Wertversprechen. Eine Studie im Auftrag des BDI sieht das kumulative Bruttowertschöpfungspotenzial der Kreislaufwirtschaft in Deutschland bis 2045 auf rund 880 Milliarden Euro wachsen [1].Trotz dieser positiven Aussichten bleibt die Verbreitung zirkulärer Geschäftsmodelle (Circular Business Models, CBMs) bislang deutlich hinter diesen Potenzialen zurück. Ein wesentlicher Grund ist betriebswirtschaftlicher Natur, Unternehmen können den finanziellen Nutzen zirkulärer Ansätze im Vorfeld nur schwer abschätzen. Prozesse und Kostenstrukturen sind meist komplexer und kleinteiliger als beim linearen Wirtschaften. Gleichzeitig fehlen vergleichbare Bewertungsansätze für ihre Wirtschaftlichkeit. Genau hier setzt der CE Business Case Calculator [3] an. Dieser ermöglicht es Unternehmen, die Wirtschaftlichkeit eines zirkulären Geschäftsmodells eigenständig und fundiert abzuschätzen, bevor investiert wird.

[1] Boston Consulting Group & Bundesverband der Deutschen Industrie (2026). Circular Economy: Chancen der Circular Economy für die deutsche Industrie.

[2] zenodo.org/records/20799159

Relevanz für Unternehmen

Der Druck auf Unternehmen wächst von mehreren Seiten. Volatile Rohstoffpreise und geopolitische Abhängigkeiten machen gebrauchte Produkte, Komponenten und Rezyklate als Materialquelle attraktiver. Öffentliche Ausschreibungen und Geschäftskunden fragen zunehmend zirkuläre Angebote nach. Die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) und andere Regularien verankern Anforderungen an Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Produktinformationen. 

Damit lautet die Frage für viele Betriebe nicht mehr, ob sie sich mit zirkulären Geschäftsmodellen befassen, sondern welches Modell sich für sie wirtschaftlich trägt. Besonders relevant ist das Thema für produzierende Unternehmen mit langlebigen Investitions- und Gebrauchsgütern, etwa im Maschinen- und Anlagenbau, in der Möbel-, Elektro- und Elektronikindustrie oder in der Medizintechnik, ebenso für Handel und Servicedienstleister, die Rücknahme und Aufarbeitung anbieten.

Für kleine und mittlere Unternehmen ist ein niedrigschwelliger Zugang besonders wichtig, weil dort selten Kapazitäten für aufwendige Vorstudien vorhanden sind. Angesprochen sind Geschäftsführung, Controlling, Vertrieb sowie Produktion und After-Sales-Service, die eine gemeinsame Zahlenbasis benötigen.

Betriebswirtschaftlicher Nutzen

Der Calculator liefert etablierte Investitionskennzahlen wie Kapitalwert (Net Present Value), interner Zinsfuß (Internal Rate of Return) und dynamische Amortisationsdauer über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. Dies sichert die Anschlussfähigkeit an bekannte Bewertungsverfahren und Vergleichbarkeit mit linearen Ansätzen. 

Der eigentliche Mehrwert liegt aber in der Granularität des Tools. Weil Kosten je Prozessschritt und Kostenart ausgewiesen werden, wird sichtbar, ob z.B. Logistik oder Demontage, Personal oder Energiekosten über die Wirtschaftlichkeit entscheiden (Abbildung 2). Unternehmen erkennen so nicht nur, ob sich ein Modell rechnet, sondern auch, an welcher Stelle Anpassungen den größten Hebel haben.

Der Szenarienvergleich zeigt zusätzlich, wie robust ein Business Case gegenüber abweichenden Entwicklungen ist (Abbildung 3). Sinkende Rücklaufquoten, steigende Logistikkosten oder ein schwächerer Absatzmarkt lassen sich unmittelbar durchrechnen. Das senkt das Investitionsrisiko und schafft eine belastbare Grundlage für Gespräche mit Banken, Investoren und Fördermittelgebern.

Beitrag zur Nachhaltigkeit

Der Calculator ist ein Entscheidungswerkzeug. Seine Nachhaltigkeitswirkung entsteht indirekt, indem er die wirtschaftliche Tragfähigkeit zirkulärer Geschäftsmodelle sichtbar macht, Stellschrauben aufzeigt und deren Umsetzung damit wahrscheinlicher macht.

Die zugrunde liegenden R-Strategien wirken unmittelbar auf zentrale Nachhaltigkeitsdimensionen. Wiederverwendung, Reparatur und Aufarbeitung verlängern die Nutzungsdauer von Produkten und vermeiden Neuproduktion. Ein erheblicher Teil des Materialeinsatzes und der damit verbundenen Treibhausgasemissionen entfällt, weil Bauteile weiterverwendet statt neu hergestellt werden. Gleichzeitig sinken die Abfallmengen. Auch auf sozialer Ebene können CBMs regionale Lieferketten und Standortsicherung begünstigen, da hierdurch die aufwändige Logistik maßgeblich reduziert werden kann.

Umsetzungsmöglichkeiten

Der CE Business Case Calculator steht kostenfrei zur Verfügung und kann ohne Registrierung über Zenodo [3] heruntergeladen und genutzt werden. Die aktuelle Version deckt sieben zirkuläre Strategien ab und wurde mit Fachleuten validiert.

Für den Einstieg empfiehlt sich ein überschaubarer Anwendungsfall. Vorhandene Daten aus Controlling, Arbeitsplanung und Logistik reichen für eine erste Einschätzung meist aus. Wo Daten fehlen, helfen die Szenarien, Bandbreiten abzubilden.

Das Tool wird kontinuierlich weiterentwickelt. Geplant sind eine integrierte Sensitivitätsanalyse, die Abbildung verketteter R-Strategien, ein Modul für qualitative Effekte wie Kundenbindung sowie eine niedrigschwellige Web-Anwendung. Rückmeldungen aus der betrieblichen Praxis sind ausdrücklich erwünscht.

Entwickelt wurde der Calculator im EU-geförderten Projekt R-evolve, das die europäische Möbelindustrie beim Übergang in die Kreislaufwirtschaft unterstützt (Horizon Europe, Fördervereinbarung Nr. 101182221).

[3] zenodo.org/records/20799159

Quellenangabe

Partner

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH

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Datum

Zuletzt geändert am 29. Oktober 2026

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