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Leitfaden

Natürlicher Klimaschutz

Zusammenfassung der Broschüre veröffentlicht vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)

Auf einen Blick

Themenkategorie
Klimaziele und -strategien
Bundesland
Bundesweit
  • Biodiversität
  • Wasser

Beschreibung

Die Vereinten Nationen fordern in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung die „Transformation unserer Welt“ und zeigen mit den 17 Nachhaltigkeitszielen an, in welchen Bereichen und Prozessen diese Transformation stattfinden muss. Diese Transformation ist auch erforderlich, um den existenziellen Krisen zu begegnen, die unsere natürlichen Lebensgrundlagen bedrohen: der Biodiversitätskrise, der Klimakrise und der Verschmutzungskrise.

Was ist Natürlicher Klimaschutz?

Maßnahmen des Natürlichen Klimaschutzes sind darauf ausgerichtet, im Einklang mit dem Schutz der Biodiversität die Klimaschutzwirkung von terrestrischen oder marinen Ökosystemen zu erhalten und möglichst zu verstärken. Diese Maßnahmen tragen sowohl zum Biodiversitätserhalt als auch zum Klimaschutz bei. Natürlicher Klimaschutz setzt somit an der Schnittstelle zwischen der Erhaltung der biologischen Vielfalt und dem Klimaschutz an. Er betrachtet Maßnahmen nicht isoliert, sondern nutzt gezielt Synergien zwischen Klima- und Biodiversitätsschutz und schafft dadurch Win-Win-Situationen. Er trifft Maßnahmen für Naturräume ebenso wie für den besiedelten Bereich. Der Natürliche Klimaschutz umfasst Maßnahmen zum unmittelbaren Schutz, zur Stärkung und zur Wiederherstellung von Ökosystemen.

Wichtig ist dabei, die vielfältigen und komplexen Beziehungen in Ökosystemen insgesamt zu berücksichtigen. Maßnahmen, die eine unmittelbare Wirkung auf die Treibhausgasbilanz haben, sind ein Baustein von mehreren: Genauso wichtig ist es, die Resilienz unserer Ökosysteme gegen die Auswirkungen der Klimakrise zu stärken. Natürlicher Klimaschutz schafft deshalb auch die dafür notwendigen Voraussetzungen: die Erfassung des Zustands der Ökosysteme, der Ursachen von potenzieller oder bereits eingetretener Degradation sowie die Entwicklung geeigneter Maßnahmen. Häufig tragen Maßnahmen des Natürlichen Klimaschutzes zusätzlich zur Anpassung an die Folgen der Klimakrise bei. Ein naturnäherer Wasserhaushalt, der das Wasser in der Landschaft hält, ist beispielsweise die Voraussetzung für die Wiedervernässung von Mooren und anderen Feuchtgebieten. Gleichzeitig beugt er Dürren vor und schafft Retentionsräume als Schutz vor lokalen Überschwemmungen nach Starkregenereignissen, die in Zukunft voraussichtlich häufiger und stärker auftreten werden.

Handlungsfelder

  • Schutz intakter Moore und Wiedervernässungen
  • Naturnaher Wasserhaushalt mit lebendigen Flüssen, Seen und Auen
  • Meere und Küsten
  • Wildnis und Schutzgebiete
  • Waldökosysteme
  • Böden als Kohlenstoffspeicher
  • Natürlicher Klimaschutz auf Siedlungs- und Verkehrsflächen
  • Datenerhebung, Monitoring, Modellierung und Berichterstattung
  • Forschung und Kompetenzaufbau
  • Zusammenarbeit in der EU und international

Schutz intakter Moore und Wiedervernässungen

In Mooren werden über lange Zeiträume große Mengen an Kohlenstoff in den Boden eingebunden: Die Reste abgestorbener Pflanzen werden nicht – wie an trockenen Standorten – unmittelbar zersetzt, sondern verwandeln sich unter der Wasseroberfläche langsam zu Torf, in dem der Kohlenstoff gespeichert bleibt. Als Ökosysteme bieten Moore Lebensraum für eine ganz eigene Tier- und Pflanzenwelt, die auf diese besonderen Lebensbedingungen angewiesen ist.

In Deutschland sind derzeit jedoch 92 Prozent der Moorböden entwässert. Meist werden sie als Acker- oder Weideland oder zum Torfabbau genutzt. Durch den Kontakt mit der Luft beginnen sich die über Jahrhunderte und Jahrtausende angesammelten Pflanzenreste in kurzer Zeit zu zersetzen und setzen dabei den eingebundenen Kohlenstoff als CO2 frei. Diese Emissionen beliefen sich 2020 auf rund 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, ein Anteil von etwa 7,5 Prozent der gesamten nationalen Treibhausgas-Emissionen. Neben den erheblichen Emissionen bedeutet die Entwässerung eines Moores aber auch den Verlust der dort heimischen Tier- und Pflanzenwelt und der ausgleichenden Wirkung im Wasserhaushalt. Moore können Wasser in der Landschaft speichern.

Für eine Reduktion der Treibhausgas-Emissionen aus entwässerten, meist landwirtschaftlich genutzten Moorböden müssen die Wasserstände wieder angehoben werden. Doch auch die wenigen noch naturnahen und ungenutzten Moore befinden sich überwiegend in einem schlechten Erhaltungszustand. Sie benötigen Schutz, um erhalten zu bleiben und sich erholen zu können.

Naturnaher Wasserhaushalt mit lebendigen Flüssen, Seen und Auen

Intakte Gewässer – Flüsse und Seen – sowie ihre Auen sind Zentren der biologischen Vielfalt. Besonders Fließgewässer und ihre Auen können einen großen Beitrag zum Biotopverbund leisten. Viele Flüsse sind jedoch begradigt und kaum noch mit ihren Auen verbunden. Zu gut einem Drittel werden überflutbare Auen heute als Ackerflächen sowie als Siedlungs-, Verkehrs- und Gewerbeflächen genutzt. Nur noch neun Prozent der Auen sind ökologisch weitestgehend intakt.

Beim Schutz von Gewässern lassen sich Synergien des Natürlichen Klimaschutzes in besonderer Weise nutzen: Die Renaturierung von Gewässersystemen und die Wiederanbindung von Auen sichert Rückzugsgebiete für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Gleichzeitig filtern Auen das Oberflächenwasser, halten es in der Landschaft, beugen dadurch Dürren vor und bieten Rückhalteräume als vorbeugenden Hochwasserschutz.

Mit der fortschreitenden Klimakrise neigt die Verfügbarkeit von Wasser sich mehr und mehr den Extremen zu: Die Sommer werden trockener, es kommt vermehrt zu Dürren. Auf der anderen Seite treten lokale Starkregenereignisse häufiger und stärker auf, was zu katastrophalen Überschwemmungen wie im Juli 2021 führen kann. Diese vielfältigen Verbindungen zeigen, dass wir Ziele für den Wasserhaushalt grundsätzlich neu ausrichten müssen.

Ziel ist es, das Wasser wieder stärker in der Landschaft zu halten und die schnelle Entwässerung großer Flächen zurückzufahren. Dies kann nicht nur lokalen Überschwemmungen, Dürren und Waldbränden vorbeugen. Ein größeres und gleichmäßigeres Wasserangebot in der Fläche macht auch die dort bestehenden Ökosysteme widerstandsfähiger. Häufig ist es sogar die Grundvoraussetzung für weiter gehende Renaturierungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen, zum Beispiel die Wiedervernässung von Moorböden.

Hierbei kommt es auch darauf an, die Aufgaben von Wasser- und Bodenverbänden im Zusammenhang mit der Vorflutunterhaltung zu überprüfen. Wälder spielen dabei eine zentrale Rolle, da diese den schnellen Oberflächenabfluss verhindern und somit maßgeblich zur Grundwasserneubildung beitragen. Für eine verbesserte Resilienz von Flusslandschaften müssen Gewässer und Auen noch stärker zusammengedacht werden. Das Ausweiten von Kooperationen und ein sektorübergreifendes Vorgehen sind erforderlich, damit das natürliche Potenzial von Gewässerlandschaften ausgeschöpft werden kann.

Meere und Küsten

Meeres- und Küstenökosysteme einschließlich ihrer Habitate wie Seegraswiesen, Salzmarschen und Algenwälder sowie Sedimente am Meeresboden binden auf natürliche Weise Kohlenstoff und fungieren langfristig als CO2-Senken und -Speicher – weltweit sogar mehr als an Land. Als Lebensraum und Kinderstube für viele marine Arten leisten intakte marine Ökosysteme einen Beitrag zum Natürlichen Klimaschutz.

Der Zustand unserer Meere ist jedoch schlecht. Nord- und Ostsee leiden neben teils intensiver Nutzung, Verschmutzung und der Anreicherung von Nährstoffen auch unter der Klimakrise. Durch die Klimakrise werden sie nicht nur wärmer und sauerstoffärmer, sondern auch saurer. Das hat Folgen für die marine Flora und Fauna und die Lebensbedingungen im Wasser, wodurch sich die Funktionsfähigkeit der Ökosysteme ändert und ihre Widerstandsfähigkeit abnimmt. Die zunehmenden Beeinträchtigungen der Meere und Küsten können die ökosystemaren Dynamiken negativ beeinflussen, zusätzliche Treibhausgase freisetzen und so die Klimakrise noch verstärken.

Wir müssen die Meere und ihre Küsten als Lebensgrundlage und essenziellen Teil des Klimasystems verstehen. Ihre natürlichen Funktionen können wir stärken, indem wir Meere und Küsten schützen, ihre Nutzung naturverträglich gestalten und ihre Resilienz gegenüber den klimabedingten Änderungen erhöhen. Hier setzt die Meeresoffensive der Bundesregierung an, die Maßnahmen zu Meeren und Küsten des ANK leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Zudem brauchen wir weiteres Wissen über die komplexen Zusammenhänge in den Ökosystemen in Nord- und Ostsee. Dazu werden wir auf den Erkenntnissen von Forschungsvorhaben unter anderem der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Begleitforschung der Deutschen Allianz Meeresforschung aufbauen, diese gemeinsam fortentwickeln und Maßnahmen an der Schnittstelle von Natürlichem Klimaschutz und Meeresschutz umsetzen. Das bereits verfügbare Wissen müssen wir für ein sofortiges Handeln nutzen. Darüber hinaus können Erfahrungen und Erkenntnisse zum Beispiel im Rahmen eines Erfahrungsaustauschs mit EU-Partnerstaaten gegenseitig vermittelt werden.

Wildnis und Schutzgebiete

Flächen, auf denen sich die Natur dauerhaft nach eigenen Regeln entwickeln kann, sind unverzichtbar für die Erhaltung der biologischen Vielfalt und wertvoll für den Natürlichen Klimaschutz. Es gilt, Lebensräume durch ausreichend große Schutzgebiete zu sichern. Darüber hinaus ist eine enge Vernetzung der Schutzgebiete untereinander wichtig für die Resilienz des gesamten Schutzgebietsnetzes. Dabei können auch kleinere Flächen mit eigendynamischer Entwicklung und Schutzgebiete einen wichtigen Beitrag leisten. Der Globale Biodiversitätsrahmen sieht vor, dass 30 Prozent der weltweiten Flächen an Land und im Meer bis 2030 geschützt sind. Maßnahmen für den Natürlichen Klimaschutz sollen dazu beitragen, die Qualität bestehender Schutzgebiete zu verbessern und das globale Ziel national umzusetzen.

Nach der EU-Biodiversitätsstrategie sollen bis 2030 zehn Prozent der europäischen Landes- und Meeresfläche unter strengen Schutz gestellt werden. Wildnisgebieten und kleineren Flächen, die vollständig der natürlichen Dynamik überlassen werden, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Es können aber auch nutzungsabhängige Lebensräume, wie zum Beispiel extensiv genutzte, artenreiche Wiesen oder großflächige extensive Weidelandschaften, zum Erreichen des Zehn-Prozent-Ziels beitragen.

Geschützte Lebensräume entfalten vor allem dann positive Wirkungen, wenn sie in einem günstigen Erhaltungszustand sind. In vielen deutschen Schutzgebieten ist das noch nicht vollumfänglich der Fall. Um hier wirksamer handeln zu können, werden wir die planerischen Rahmenbedingungen und konzeptionellen Grundlagen für die Betreuung und den Unterhalt von Wildnis- und Schutzgebieten verbessern.

Waldökosysteme

Wälder können große Mengen an Treibhausgasen binden: Bäume nehmen wie alle Pflanzen CO2 aus der Luft auf, wandeln es durch Fotosynthese um und geben Sauerstoff ab. Die dabei entstehenden Kohlenstoffverbindungen werden eingelagert, aus ihnen bildet sich Holz – der Baum wächst. Das ist die Grundlage für die Bindung großer Mengen an Kohlenstoff im Wald. Der Kohlenstoffvorrat der Wälder Deutschlands verteilt sich dabei auf ober- und unterirdische Biomasse. Gleichzeitig sind naturnahe Waldökosysteme wichtige Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten und verbessern außerdem das lokale Klima sowie den Wasserhaushalt in der Landschaft. Zudem bieten sie wichtige Erholungsgebiete für die Menschen und liefern den nachwachsenden Rohstoff Holz. Um einen naturverträglichen Ausbau der Windenergie zu ermöglichen, ist es wichtig, Standorte im Wald mit besonderer Sorgfalt auszuwählen. Intensiv genutzte Wirtschaftswälder (zum Beispiel Fichten- und Kiefernforste) kommen dabei eher in Betracht, da sie aus naturschutzfachlicher Sicht und zur Erholung häufig von geringerer Bedeutung sind.

Die letzte Bundeswaldinventur weist jedoch nur 36 Prozent der Waldfläche in Deutschland als naturnah aus. Die Ergebnisse der gerade laufenden vierten Bundeswaldinventur werden zeigen, wie sich unter anderem die Dürrejahre seit 2018 ausgewirkt haben.

Denn insbesondere die nicht naturnahen Wälder haben sich in den vergangenen Jahren besonders anfällig für Dürreschäden und Schädlingsbefall gezeigt. Durch den gezielten Umbau nicht klimaresilienter Wälder und die Wiederbewaldung bereits geschädigter Waldflächen sollen sich naturnahe und klimaresiliente Waldökosysteme entwickeln. Deren Biodiversität und Strukturreichtum sind die Grundvoraussetzung für die Klimaanpassungsfähigkeit und die Resilienz von Wäldern.

Darüber hinaus wollen wir die Waldfläche in Deutschland ausdehnen. So können wir die Fähigkeit der Wälder zur Einbindung von Kohlenstoff langfristig erhöhen und zudem langfristig wertvolle Lebensräume schaffen. Das trägt auch zum Ziel der EU-Biodiversitätsstrategie 2030 und der EU-Waldstrategie bei, in Europa drei Milliarden Bäume zusätzlich zu pflanzen. Außerdem erhöht eine Mehrung der Waldfläche die Vielfalt der Landschaft und die Lebensraumqualität für viele Arten und kann so in bestimmten Fällen auch die Biotopvernetzung verbessern.

Böden als Kohlenstoffspeicher

Böden sind die zentralen landgebundenen Kohlenstoffspeicher. Sie übernehmen eine wichtige Funktion bei der Freisetzung und Einbindung von Treibhausgasen, vor allem CO2. Gesunde Böden stärken auch die Resilienz der Ökosysteme gegenüber der Klimakrise. Der Schutz der Böden und eine bodenschonende und humusmehrende Bewirtschaftung vermeiden bodenbürtige Treibhausgasemissionen und stabilisieren oder erhöhen den Gehalt an organischem Kohlenstoff in den Böden.

Der Landwirtschaft als die größte Flächennutzung in Deutschland kommt dabei eine besondere Rolle zu. Die Art der landwirtschaftlichen Nutzung wirkt sich besonders stark auf die Böden aus. Die Bodenbewirtschaftung soll berücksichtigen, dass die natürliche Klimaschutzleistung der Böden als Kohlenstoffspeicher, aber auch als Wasserspeicher und Stofffilter gestärkt sowie die Bodenbiodiversität erhalten und gefördert wird. Dies gilt auch für die Forstwirtschaft. Nicht zuletzt ist ein sorgsamerer Umgang mit unseren Böden entscheidend für die langfristige Sicherung unserer Ernährungsgrundlagen. Dabei sollen Synergien zwischen Natürlichem Klimaschutz und dem Ausbau der erneuerbaren Energien genutzt werden. So kann beispielsweise Agri-Fotovoltaik dazu beitragen, Flächenkonkurrenzen insbesondere in Hinblick auf landwirtschaftlich genutzte Flächen zu entschärfen.

Natürlicher Klimaschutz auf Siedlungs- und Verkehrsflächen

In Städten und Gemeinden sind Grünflächen wichtige Erholungszentren. In Parks, Stadtwäldern, Grüngürteln und begrünten Straßen ist spürbar, was Pflanzen für das Stadtklima leisten: Sie sorgen für bessere Luft, indem sie Schadstoffe und CO2 binden. An heißen Sommertagen spenden sie Schatten und sorgen durch Verdunstung für zusätzliche Kühlung. Zusammenhängende Grünflächen sorgen für Kalt- und Frischluftschneisen. Diese Stadtnatur bietet vielen Tier- und Pflanzenarten einen Lebens- und Rückzugsraum. Insbesondere Altbaumbestände haben hierbei eine besondere Bedeutung – sowohl naturschutzfachlich als auch klimatisch. Diese Natur im direkten Wohnumfeld gilt es zu erhalten, zu fördern und das Wissen darüber in der Fachwelt und der Stadtgesellschaft zu verbreiten. Ein besonderer Fokus liegt bei der Schaffung von naturnahen Grünflächen in Quartieren mit einem hohen Versiegelungsgrad. Das Bundesprogramm Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel und die Programme der Bund-Länder-Städtebauförderung unterstützen die Städte und Gemeinden daher bei der Klimaanpassung durch die Erhaltung, Weiterentwicklung und Qualifizierung der grün-blauen Infrastruktur im Projektzusammenhang oder innerhalb einer Gebietskulisse.

Deutlich größere Ökosysteme finden sich außerhalb unserer Siedlungen. Meist sind diese aber von linearen Infrastrukturen wie Straßen oder Schienenwegen durchschnitten, die Städte und Dörfer an ihren Rändern dehnen sich immer weiter in die Fläche aus. Dieser zunehmenden Zerschneidung und Zersiedelung unserer Landschaft wollen wir entgegenwirken. Eingriffe in Natur und Landschaft durch Siedlung und Verkehr werden wir so reduzieren, dass unter anderem die Flächenneuinanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke bis zum Jahr 2030 auf unter 30 Hektar pro Tag gesenkt werden kann. Nicht vermeidbare Eingriffe werden wir angemessen auch im Sinne des Klimaschutzes kompensieren. Bereits zerschnittene Lebensräume wollen wir wieder besser miteinander vernetzen und die ökologische Durchlässigkeit wiederherstellen (zum Beispiel durch Grünbrücken). Dies stärkt die Leistungsfähigkeit der Ökosysteme und dient so dem Natürlichen Klimaschutz.

Datenerhebung, Monitoring, Modellierung und Berichterstattung

Um Natürlichen Klimaschutz effektiv zu gestalten, müssen wir den Zustand und die Entwicklung unserer Ökosysteme zielgerichtet erfassen. Nur so sind wir in der Lage, Entwicklungen zeitnah zu erkennen und gegebenenfalls gegenzusteuern. Auch die Berichterstattung über die Emissionsbilanz im LULUCF-Sektor ist nur so präzise wie die Daten, die über die in diesem Sektor erfassten Ökosysteme vorliegen. Damit die Wirkungen von Klimaschutzmaßnahmen im nationalen Treibhausgasinventar abgebildet werden können, müssen Monitoringdaten über die Maßnahmenumsetzung für die Klimaberichterstattung bereitgestellt werden. Hier besteht Ausbaubedarf.

Die vielen Stellen, die bereits heute verschiedenste Daten zu den Ökosystemen in Deutschland erheben, werden wir besser miteinander vernetzen. Denn Zusammenhänge lassen sich oft erst erkennen, wenn Beobachtungen aus unterschiedlichen Bereichen verknüpft werden. Wir werden aber auch neue Datenquellen, zum Beispiel aus der Satellitenfernerkundung, weiter erschließen und in die bereits vorhandenen Strukturen einbinden. Ziel ist es, Synergien zwischen den verschiedenen existierenden Ebenen, des Monitorings und den hierfür zuständigen Institutionen zu heben, so Doppelarbeit und -strukturen zu vermeiden sowie an sinnvollen Stellen Ergänzungen vorzunehmen.

Mit der verbesserten Datenlage wollen wir auch die Werkzeuge zur Modellierung von Ökosystemen überarbeiten und verfeinern. Eine solidere Beschreibung des Istzustands ermöglicht verlässlichere Prognosen zur zukünftigen Entwicklung der Ökosysteme, auch im Hinblick auf die Ziele des Klimaschutzgesetzes.

Forschung und Kompetenzaufbau

In Ökosystemen bestehen vielfältige und teils sehr komplexe Zusammenhänge. Klimatische Voraussetzungen, Landschaftsform, Art und Methodik ihrer Nutzung durch den Menschen, Nährstoffangebot sowie viele weitere Faktoren haben Einfluss auf das Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten und anderen (Kleinst-)Lebewesen. Diese wirken aber auch zurück auf die Lebensbedingungen in dem jeweiligen Ökosystem und seine Umgebung. Die beschleunigte Klimakrise und nicht nachhaltige Nutzungsformen bringen unsere Ökosysteme jedoch in Schieflage und zwingen sie dazu, sich innerhalb kurzer Zeit an die neuen Bedingungen anzupassen. Zu diesen Wechselwirkungen in den sich verändernden Ökosystemen besteht umfassender Forschungsbedarf. Je besser wir die Zusammenhänge verstehen, desto zielgerichteter können wir daraus Handlungsoptionen für den Natürlichen Klimaschutz ableiten.

Viele Maßnahmen, die den Natürlichen Klimaschutz wirksam voranbringen, kennen wir bereits – dieses Aktionsprogramm ist Ausdruck davon. Entscheidend ist aber, dass dieses Wissen dort verfügbar ist, wo Maßnahmen vor Ort umgesetzt werden können. Diejenigen, die die entsprechenden Flächen besitzen oder bewirtschaften, brauchen Unterstützung bei der Planung und Umsetzung von Natürlichem Klimaschutz und Anlaufstellen, die ein breites Wissensspektrum abdecken.

Daneben gibt es vielversprechende weitere Ansätze zur Verbesserung der klima- und biodiversitätsschützenden Funktionen von menschlich genutzten Ökosystemen, bei denen noch klarer Forschungsbedarf besteht, bevor diese in größerem Umfang umgesetzt werden sollten.

Zusammenarbeit in der EU und international

Natürlicher Klimaschutz kann nur in enger Zusammenarbeit auf internationaler und EU-Ebene gelingen. In der internationalen Zusammenarbeit, auf bi- und multilateraler Ebene sowie in allen relevanten EU-Prozessen werden wir als Bundesregierung den Natürlichen Klimaschutz weiter vorantreiben und uns für eine ambitionierte Ausgestaltung starkmachen.

Deutschland hat das Thema Stärkung von naturbasierten Lösungen (Nature-based Solutions – NbS) und damit auch den Natürlichen Klimaschutz zu einem Querschnittsthema für die G7-Verhandlungen im Umwelt- und Klimaschutzbereich gemacht. Auf europäischer Ebene zielen viele Regelungsentwürfe und Initiativen der EU-Kommission, die auf den Green Deal und insbesondere sein Fit for 55-Paket zurückgehen, auf den Natürlichen Klimaschutz oder naturbasierte Lösungen. Hierzu gehört auch der Verordnungsvorschlag zum Zertifizierungsrahmen für Kohlenstoffentnahme, in dessen Abstimmung wir uns unter anderem mit dem Ziel einbringen, eine möglichst gute Verknüpfung mit dem Natürlichen Klimaschutz zu erreichen. Unsere Anliegen auf EU-Ebene flankieren wir unter anderem im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit mit EU-Mitgliedstaaten. Hierzu führen wir Dialogveranstaltungen und weitere Maßnahmen zum Erfahrungsaustausch, zur Bewusstseinsbildung oder zum Capacity Building durch.

Darüber hinaus wird das ANK ein zentrales Instrument für die nationale Umsetzung der im Entwurf vorliegenden EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur sein, die EU-weit rechtsverbindliche Ziele zur Wiederherstellung von Ökosystemen vorsieht, und wesentlich zur Umsetzung des Globalen Biodiversitätsrahmens beitragen.

Auch auf internationaler Ebene werden wir uns für naturbasierte Lösungen einsetzen und unseren Beitrag zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt und dessen Umsetzung, zur Umsetzung des Übereinkommens von Paris, zum Übereinkommen zur Bekämpfung der Wüstenbildung, zur Unterstützung der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen, zur Umsetzung der UN-Agenda 2030 sowie zu vielen weiteren für den Natürlichen Klimaschutz wichtigen Regelungen und Initiativen fortsetzen. In der bilateralen Zusammenarbeit und in der Entwicklungszusammenarbeit der Bundesregierung nehmen naturbasierte Lösungen und damit der Natürliche Klimaschutz eine wichtige Rolle ein. Mit dem Ansatz der feministischen Außen- und Entwicklungspolitik legen wir hierbei einen besonderen Fokus auf die Rolle indigener Völker und lokaler Gemeinschaften (Indigenous peoples and local communities – IPLCs) von Frauen und Jugend und deren Wissen. Dabei setzen wir auf die Fortführung und Fortentwicklung bewährter Förderstrukturen und Finanzierungsquellen, zum Beispiel der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) sowie bilateraler Klima- und Entwicklungspartnerschaften (P+)


Den Leitfaden des BMUs finden Sie hier.

Quellenangabe

Partner

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUB)

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Datum

Zuletzt geändert am 08. April 2024

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